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Eric Junior Marketing Manager

Overtourism als touristische Gefahr für Destinationen

Jedes Jahr werden weltweit neue Rekorde in Sachen Besucherzahlen erreicht - der Tourismus boomt. In vielen Städten und Regionen spricht man bereits von Overtourism und Verantwortliche suchen aktiv nach erfolgversprechenden Gegenmaßnahmen. Betroffen sind nicht nur Städte wie Venedig oder Barcelona, auch der Alpenraum sieht sich mit Overcrowding konfrontiert.

Overtourism als Problematik für viele Destinationen und mögliche Gegenmaßnahmen

Begehrte Reiseziele leiden zunehmend an Überlastung. Die fortschreitenden technologischen Entwicklungen beeinflussen verstärkt die Entwicklung des Tourismus, speziell soziale Medien und Online Buchungsplattformen tragen aktiv zu dieser Veränderung bei. Für den Menschen wurde Reisen erschwinglicher, mit Billigairlines und Car Rentals können Distanzen preiswerter zurückgelegt werden. Gleichzeitig findet in vielen Ländern ein wirtschaftlicher Aufschwung statt und animiert die wachsende Mittelschicht zum Reisen. Tourismusdestinationen verzeichnen einen wirtschaftlichen Aufschwung, innerhalb der Regionen werden immer neue Rekorde an Besucher und Übernachtungszahlen aufgestellt, sodass viele Einwohner von dieser Entwicklung profitieren. Durch die enormen Menschenmassen kann der Tourismus aber auch zu Problemen führen. Durch einen Wandel der Tourismusgesinnung von Einheimischen entstehen unter anderem zunehmend Konflikte - die Initiative der Destinationen ist gefragt.

 

Die Big Player des Overtourism

Nicht alle international beliebten Reiseziele sind zwangsweise von Overtourism betroffen, aber jeder kennt die Städte Venedig, Barcelona, Paris, Amsterdam und Dubrovnik. Die Gemeinsamkeit? Alle kämpfen mit einem enormen Touristenaufkommen, welches im Verhältnis zu der verfügbaren Fläche meist kaum tragbar ist. 

Venedig wird jährlich von rund 30 Millionen Menschen bereist - im Vergleich zu den 50.000 Einheimischen im historischen Zentrum, kommen auf jeden Einwohner circa zwei Touristen pro Tag. Die größte Herausforderung für die italienische Hafenstadt stellen Tagestouristen dar, diese generieren keine Nächtigungen, verbringen oft nur wenige Stunden an den Hotspots der Stadt und erzeugen kaum einen Mehrwert.

In Dubrovnik, einer Hafenstadt im Süden Kroatiens, legen täglich eine Vielzahl an Kreuzfahrtschiffen an. Speziell durch die Serie “Game of Thrones” kam es in der Stadt zu Filmtourismus und einem erneuten Anstieg an Besucherzahlen. Rund zwei Millionen Menschen besuchen inzwischen jährlich Dubrovnik und wollen unter anderem auch die 400x300 Meter große Altstadt sehen.

Ein weiteres betroffenes Gebiet ist Palma de Mallorca, für viele als Partyinsel bekannt. Knapp ein Viertel der Immobilienkäufe auf der Insel werden als Nebenwohnsitz registriert. Durch diesen Effekt steigen die Mietpreise um bis zu 50% und die Kaufpreise um bis zu 20%. Besonders spürbar sind die Probleme während der Sommermonate Juni, Juli und August in denen mehr als die Hälfte der 12 Millionen jährlichen Touristen die Insel bereist. Im Gegensatz dazu generieren Destinationen im Alpenraum meist keine Touristenzahlen im zweistelligen Millionenbereich, aber in einem Ort wie Hallstatt reicht bereits ein Bruchteil aus, um von Massentourismus zu sprechen.

 

Doch wann ist es zu viel?

Von Overtourism wird prinzipiell gesprochen, wenn zu viele Touristen ein geographisch begrenztes Gebiet zu einem gewissen Zeitraum besuchen. Für “zu viele” gibt es jedoch keine genau definierbare Summe, denn in Städten wie Barcelona wiegen 1.000 Touristen weniger viel, als in einem kleinen provinzialen Dorf. Prinzipiell gilt, dass Overtourism von der Gesinnung der lokalen Bevölkerung definiert wird. Abhängig von der Einwohnerzahl, der zur Verfügung stehenden Fläche und der Verteilung von Touristen kommt es zu sogenannten Hotspots. Diese beeinträchtigen die Bewohner einer Stadt in der Ausübung derer Alltagsaktivitäten und verursachen oftmals eine negative Einstellung gegenüber den Touristen. Es gilt: Overtourism hängt stark von der Akzeptanz durch die einheimische Bevölkerung ab.

Abgesehen davon kann Overtourism auch anhand der steigenden Mietpreise innerhalb eines definierten Gebiets erkannt werden, wenn diese für einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr finanzierbar sind. Dies beeinflusst wiederum die Ansicht der lokalen Bevölkerung. Wichtig ist auch, dass zu viele Touristen nicht nur Auswirkungen auf das Leben der Einheimischen haben, sondern auch das Urlaubserlebnis der Besucher wird negativ beeinflusst.

 

Ursachen von Overtourism

Speziell durch die sozialen Medien und Influencer werden bisherige Geheimtipps der ganzen Welt zugänglich gemacht. Oft werden diese Ortschaften über Nacht berühmt und sind für einen derartigen Ansturm nicht gerüstet. Plattformen wie Tripadvisor führen Touristen an die “schönsten Sehenswürdigkeiten” innerhalb einer Destination und tragen zur Entstehung von Hotspots bei.

In lokalen Geschäften einkaufen, regionale Speisen konsumieren und die geheimen Strände entdecken - Reisende haben immer mehr das Bedürfnis hautnah in die Lebensweise der Einheimischen einzutauchen und die Region als “Local” zu erleben. Auf der Suche nach Exklusivität und etwas Besonderem werden zunehmend unberührte Rückzugsgebiete der einheimischen Bevölkerung überlaufen. Aus Geheimtipps werden allgemein bekannte, touristische Locations.

Eine weitere Herausforderung für Destinationen sind Tagestouristen, die in großen Massen nur einen Tag innerhalb einer Stadt verbringen. Im Gegensatz zu Übernachtungsgästen wird erheblich weniger Geld ausgegeben, trotzdem werden die Ressourcen in gleichem Maß genutzt und die Besucherfrequenz der Attraktionen stark in die Höhe getrieben. Zu dieser Entwicklung hat unter anderem der Kreuzfahrt-Hype beigetragen, denn oft legt das Schiff an und die Gäste haben nur wenige Stunden um alle Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

 

Maßnahmen der Betroffenen

Die wichtigsten Faktoren in Sachen Overtourism sind sowohl die Zufriedenheit der Einheimischen als auch die qualitative Wertigkeit der Destination selbst. Um langfristig die Anliegen der Bevölkerung zu sichern und wettbewerbsfähig zu bleiben, sollte ein aktiver Dialog mit den einzelnen Parteien gesucht werden. 

Als Chance können die technologischen Entwicklungen genutzt werden um Gästeströme besser zu verteilen. Eine konkrete Handlungsmöglichkeit wäre die zeitliche Entzerrung des Gästeaufkommens, indem die Hauptsaison verlängert oder Besucher durch attraktive Angebote animiert werden, die Destination während der Nebensaisonen zu besuchen. 

Eine weitere Maßnahme, welche bereits häufig umgesetzt bzw. diskutiert wurde, ist die Einführung von Obergrenzen und Zugangsbeschränkungen zu touristischen Hotspots. Die Rahmenbedingungen dieser Methode ist in Korrelation mit der ökologischen und sozialen Kapazität einer Destination zu treffen.

Ein weiteres Konzept, welches in Mallorca bereits realisiert wurde, ist die Einführung einer sogenannten Ökosteuer. Diese ist von Touristen während des Aufenthalts pro Nächtigung zu entrichten - auch für Touristen von Kreuzfahrtschiffen gilt diese Regelung. Mallorca konnte seit Einführung der Zusatztaxe keinen signifikanten Rückgang der Touristen verzeichnen, aber die Zusatzeinnahmen von 128 Millionen Euro werden in Landwirtschafts-, Umwelt- und Denkmalschutz investiert. Ein ähnliches Konzept verfolgt Venedig, angepasst an das Problem der Tagestouristen, plant man dort eine Einführung von Eintrittskosten in das Stadtzentrum.

 

 

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